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im Folgenden möchten wir Euch von unserem Lehrgang mit Iain Abernethy berichten. Die Idee zu diesem Artikel entstand aus der Begeisterung der Teilnehmer aus diversen Karate Stilrichtungen über Iains Konzepte und Denkanstöße in Bezug auf Karate als Kampfsystem und die Bunkai zu den Heian Katas. Wer Iain nicht kennt, anbei eine kurze Erklärung zu seiner Person: Iain Abernethy ist Engländer und hat schon als Kind mit Kampfsport angefangen. Er erzählte uns von seinen frühen Übungen im typisch Britischen Ringkampf. Seine Karatebasis ist der Wado Ryu. Er hat den 5. Dan der „British Combat Association“ und „Karate England“. Er ist Mitglied der „ Combat Hall of Fame“ in England und ist in Kampfkunstkreisen bekannt durch seine Bücher, DVDs und Zeitungsartikel, zudem sind seine Lehrgänge dort sehr beliebt. Wir ( Miriam und Marion) gehören zum ShoKiKai (ESV Neuaubing), wo wir Shotokan Karate trainieren. Einer unserer Trainer, James, ist Engländer und ist von Iain seit langem so begeistert, daß er ihn kurz entschlossen zu einem Lehrgang einlud. Ohne zu wissen was auf uns zukommt waren wir sofort dabei und freuten uns sehr, daß so viele aus ganz Deutschland den Weg nach München gefunden haben. Anscheinend ist Iain doch bekannter als wir dachten? Am Freitag, 16-November 2007, kam Iain in unser Neuaubinger Dojo zu einem Gasttraining und wir freuten uns riesig, ihn schon vor dem Lehrgang kennen lernen zu dürfen. Iain war sehr offen und gut gelaunt, obwohl wir so spontan nur 6 Leute zum Training zusammentrommeln konnten. Sein Konzept nennt sich „ Applied Karate“. Also praktisch angewandtes Karate, so wie es seiner Meinung nach auch durch die Heian Katas vorgegeben wurde. Wir hörten und staunten. Auch am folgenden Samstag im Lehrgang verbrachten die Teilnehmer viel Zeit um mit gespitzten Ohren seinen Erklärungen und Erläuterungen zu lauschen. Anfangs war es schwer für Teilnehmer, die des Englischen nicht mächtig waren. Niemand verlangte nach Übersetzung, aber als sich herausstellte, daß sich doch einige schwer taten, wurde das Wesentliche von James und Pascal übersetzt, sodaß jeder noch auf vorangegangene Eläuterungen rückschließen konnte. Der Unterricht bestand aus Zuhören und anschließenden „Drills“, wo die besagte Bunkai Sequenz mit Partner geübt wurde. Der Raum brodelte, es wurde diskutiert und ausprobiert. Nur selten war eine Sequenz so, wie wir es im Shotokan gelernt oder schon auf anderen Lehrgängen gesehen haben. Meistens war es ganz anders. Es gab viel „Grappling“, es wurde gehebelt und zum Ende hin sogar geworfen. Teilnehmer mit Aikido oder Judo Vorkenntnissen waren hier im Vorteil. Man half sich gegenseitig und da manche der Techniken schnell oder stark ausgeführt ziemlich gefährlich sind, übten wir langsam und mit Bedacht. Iain sorgte mit viel Humor und lustigen Anekdoten für eine lockere Atmosphäre und suchte während der Drills Kontakt zu den Leuten. Es war anders als bei JKA oder DKV Lehrgängen, erstens da das Publikum sehr gemischt war (diverse Stile, auch Taekwondoler waren vertreten) und zweitens weil Iain „ sein Ding“ machte, ohne sich an einen der bekannten Stile oder Meinungen anzulehnen. Er erklärte die Entstehung der Pinan bzw. Heian Katas. Zum Beispiel das Heian Nidan eigentlich die erste Pinan Kata war und nur später an die zweite Stelle gerutscht ist. Kata Sequenzen, die in Wado Ryu, Shito Ryu und Shotokan je etwas anders ausgeführt werden, erklärte er mit den jeweiligen Anwendungen für den Stil und erläuterte die Unterschiede. So mußte sich kein Stil vernachlässigt fühlen und er bewies, dass sein Konzept für jeden Stil gleichermaßen passend ist. Nach den Unterrichtseinheiten nutzen wir die Gelegenheit mit Iain zu reden. Wir können uns gut vorstellen, daß nicht jeder seine Ansichten und Rückschlüsse teilt. Er sagte, daß er sein „Applied Karate“ als Ergänzung sieht, nicht als Ersatz. Man solle das bei ihm gelernte als Zusatz sehen, um den jeweiligen Stil zu vervollständigen. Er schließt nichts aus und sieht seine Sicht der Dinge nicht als alleingültig. Seiner Meinung nach gehören Hebel und Würfe in eine vollständige Karateausbildung, auch wenn das Mehr an Stoff den Karateka nur langsam lernen und fortschreiten läßt. Schön war auch, das er der Fragen nie überdrüssig wurde, ganz im Gegenteil, er gab uns seine Visitenkarte, sodass wir ihm jederzeit mailen oder auch anrufen können, falls wir später noch weitere Fragen haben sollten.“ Anbei findet Ihr unsere Notizen, was uns von Iains Erklärungen hängen geblieben ist. Wir werden nicht auf jede einzelne Bunkai eingehen, die Iain uns gelehrt hat. Wichtig zu wissen ist, daß nach dem Schlag, sofern der Gegner „nur“ ins Wanken gerät, oft Hebel und Würfe ausgeführt werden. Nur die generellen Prinzipien aus Iains Konzept möchten wir unten nennen, so wie wir sie uns nach dem Lehrgang als Erinnerung notiert haben. „Applied Karate“ Praktisch angewandtes Karate Karate als Kampfkunst Karate wurde zur Selbstverteidigung entwickelt. Es sollte effektiv sein und gedacht für den Kampf Mann gegen Mann in relativ kurzer Distanz. Es ist kein Wettkampfsport und was zählt ist einzig, daß der Gegner unschädlich gemacht wird. Erste Wahl und erste Waffe des Karateka ist der Schlag. Das Schlagen und Treten sollte demnach in erster Linie trainiert werden, denn alles andere kommt nur zum Einsatz, wenn der Schlag noch nicht zum K.O Geführt hat. Hebel und Würfe sollten auch gelehrt werden, sie gehören zum Oberstufen Bunkai dazu, um nach dem Schlag den Gegner zu Boden zu bringen und zu fixieren. Iains Worte: „ First Blow then Throw“. Kata Leider wird die Kata im Karate von vielen Schulen vernachlässigt, da man es als sinnloses Überbleibsel der Tradition ansieht und den tiefen Inhalt nicht mehr versteht. Warum Kata üben, wenn ich Selbstverteidigung lernen will? Iains Ziel ist es, die Kata so zu verstehen, wie die Erfinder sie gedacht haben. Er ist überzeugt, daß die Kata mehr war. In der Kata ist alles enthalten, was der Karateka braucht. Jeder Winkel, die Anordnung der Techniken, sind durchdacht und entsprechend gelehrt, ergibt sich daraus ein vollständiges Kampfsystem. In der Kata werden die Techniken jeweils rechts und links ausgeführt, oft wird auch rechts - links - rechts in drei Wiederholungen geübt. Man ging davon aus, daß die Mehrheit der Menschen Rechtshänder ist. Zudem war es eine Schande, Linkshänder zu sein und in der Kata wird somit die stärkere Seite mehr trainiert. Distanz Kata ist auf Nahdistanz gedacht. Kata Bunkai funktioniert weder für den Wettkampf, noch auf Langdistanz. Erst wenn sich die Kämpfer schon sehr nahe gegenüberstehen und es unvermeidlich zum Kampf kommt, eigentlich schon fast zu nahe um erfolgreich zu blocken, dann greifen die Anwendungen der Kata Bunkai. Demnach ist das Kampftempo extrem hoch. Auf Nahdistanz zählt die Geschwindigkeit und die Abwehrmöglichkeiten sind entsprechend begrenzt. Die Bunkai ist demnach durchsetzt mit Angriffen und nur wenigen Blocks. Winkel in der Kata Der Winkel in den Katas geben immer unsere Position im Bezug zum Gegner an. Sie geben nicht an, wo der Gegner um uns herum gerade steht. Die „zweite“ Hand ; Hikite Bei jeder Technik sind beide Hände beteiligt. Eine Hand wird nie versteckt oder ohne Aufgabe zurückgezogen. Wir üben Oi Tzukis, indem eine Hand schlägt und die andere an die Hüfte zurückzieht ( Hikite). Diese Hikite Hand hat laut Iain eine wichtige Aufgabe: sie zieht den Gegner zu uns heran, in unsere Faust. Wir greifen also den Gegner am Kragen und ziehen ihn zu uns während der Tzuki den Gegner trifft. Ein solches Greifen und Heranziehen des Gegners kann man bei jeder Straßenschlägerei beobachten. Es ist natürlich, denn es hilft die Position des Gegners zu bestimmen. Diese „zweite“ Hand hat oft die Aufgabe die Position des Gegners zu bestimmen ( z. Bsp. Bei Empi in der Heian Yondan, zweite Hand am Kopf des Gegners). Sie kann den Gegner auch einfach festhalten, z. Bsp. Seinen Arm, damit der Weg für den Oi Tzuki frei ist. Pinan bzw. Heian Katas Diese ersten 5 Katas bilden ein vollständiges Kampfsystem. Sie bauen aufeinander auf und die Godan ist demnach für die Oberstufe gedacht. Die Anwendungen der Techniken fangen bei den ersten Katas mit relativ einfachen Anwendungen an (wie das blocken und beseitigen des gegnerischen Armes, Shuto Uke) und gehen in den letzten Katas in kompliziertere Hebel und Würfe über. Üben Iains Worte: " What if this doesn t work?" - " Make it Work"! Nach Iains Auffassung sollte man Katas parallel mit der Bunkai lernen (und nicht erst alle Katas und später in der Oberstufe die ein oder andere Bunkai dazu). Die entsprechenden Bunkai Techniken sollten durch konsequente „Drills“ eingeübt und so lange wiederholt werden, bis sie automatisch und ohne Denken, sehr schnell und vor allem instinktiv laufen. Sie ist genauso wichtig wie die Standard Kihon-Drills an Tzukis oder Geris. Wir freuen uns schon darauf Iain bald wieder in Deutschland begrüßen zu dürfen. Er hat uns durch seine begeisternde lockere Art und sein profundes Wissen über Karate überzeugt! Falls auch ihr schon mehr wissen wollt, schaut doch einfach mal auf seiner Seite vorbei: www.iainabernethy.com . Thanks Iain! M&M |
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